Archive for November, 2006

Salima

Das junge türkische Mädchen kämpfte seit ungefähr zweieinhalb Stunden mit dem imaginären Tod. Sie hatte die Wirkung des Psylocibin heftig unterschätzt, oder vielmehr solch eine Schätzung garnicht bewusst vorgenommen. Genausowenig wie Sie mit Ihren 21 Jahren die Begriffe Set und Setting keiner tieferen Analyse unterzogen hatte, bevor sie sich von dem chronisch klammen und unangenehm dauerkoksenden Möchtegern-Zahnarzt P. zur Einnahme der psychoaktiven Trockenpilze hat animieren lassen, deren Form, Farbe und Konsistenz stark an Hasenkäkel erinnern. In einer 50-Quadratmeter-Altbauwohnung auf dem 3. Hinterhof, irgendwo im schlecht beleumundeten sechzehnten Wiener Gemeindebezirk Ottakring, an einem traurig grau verregneten Donnerstag nachmittag im Herbst. Hochparterre. Fenster geschlossen. Es wird stark geraucht.
Salima, so heisst die junge Frau, bedeutet im arabischen soviel wie “Gesund Sein”.