Man muss schon ganz genau hinschauen um den Unterschied zwischen “furchtbar” und “fruchtbar” zu erkennen.
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Marietta
Gestern war in meinem Hotel eine Eröffnungsfeier mit dem spanischen Botschafter und dem Bürgermeister von Lützeburch. Man lobpreist die exzellenten Ideen von namhaften Architekten. Lauter geschniegelte und ein nacktes Model aufm Büffet zwischen den Leckerlis. Und ich mitten drin, wie aus einer anderen Welt.
Kostümchentragendes Luxusweibchen: “Und wie gefällt Ihnen das Hotel ?”
“Nun wenn ich ehrlich bin, Madame, ist es total langweilig, kalt und wenig reizend, wie der ganze Kirchberg hier mit seiner ach so modernen Monumental-Architektur, mit wenig Wohlfühlpotenzial – sicher die Zimmer haben einen hohen Standard, sind nagelneu, die Aussicht auf Luxembourg ist recht spektakulär. Links das Museum für moderne Kunst, rechts die Philharmonie. Für Menschen die es gewohnt sind mit der Limousine zu Ihren Vergnügungen anzureisen, mag dies angenehm sein und bewundernswert modern erscheinen. Ich bin allerdings kein Freund moderner Architektur, muss ich gestehen. Wenn am frühen Abend all die Banker und Bankerinnen das Quartier gen heimat verlassen, erscheint mir Kirchberg bedrückend kalt und menschenleer. Die wenigen Restaurants sind wie ausgestorben, selbst wenn sie zu einem Hotel gehören und das tun sie meistens. Überall nur Glas, Stahl und Beton. Und tagsüber nur Besucher die alle auf Ihre Art eigentlich nur wegen dem Geld anreisen. Kein richtiges Leben. Nirgends.”
“Hm… na es war nett mit ihnen geplaudert zu haben. Au revoir.”
Ehrliche Meinungen sind hier nicht gefragt. Die fast nackte Dame liegt fast drei Stunden mit Lebensmittelfarbe bemalt zwischen den Kannapees. Sie heisst Marietta, und macht den Eindruck das Sie durchaus für solche Gespräche zu haben wäre, wenn Sie nicht gerade arbeiten müsste. Sie hat belgische Verwandte und stammt aus Polen, studiert aber nun in Trier Psychologie und Anglistik und liegt halt lieber mal halbnackt auf Büffets rum anstatt zu kellnern, wie die meisten Ihrer Kommilitoninnen. Das wäre einfacher und gibt mehr Geld pro Stunde. Recht hat sie ja – irgendwie.
…und was ist das Zeichen ?
..ich werde mit ernster Miene und in Lyrik antworten.
Life
Life is like milk. The durability is limited. Like the universe maybe extends over our time, the main ingredients of life and milk tend to separate from each other.
If milk is in a glass and it will not be stirred up from time to time, the watery liquid will separate from the firm and the milk agglomerates, building clusters of fat. If it is stirred up the whole time, it depends on the duration and the intensity of stirring and the addition of ingredients when the milk becomes sweet cream or salty butter. If you add no ingredients at all and stirr with balance than you do not change the flavour for a long time, if you do this in cold environments even longer, but no matter how gentle and long you will be able to stirr in the right way, you cannot avoid the sour taste at the end and the final decay.
04.01. 16.30 pm – Viti Levu – Fiji
Takamoto Sato watched angrily, but very quiet, the wedding ring on his right hand. He turned it with his thumb, as his left hand reached over the credit card to the barman. Later on this afternoon this credit card will get lost together with his wifes purse and all their money. An ugly argue of about two hours with the barmen and waitresses will follow, while within the course of this afternoon his wife would also have two bottles of red wine, 3 margaritas and a couple of unnamed shots. Sato married his wife 13 years ago, after a holiday in Fiji. She was a beautiful young woman from the south of Fijis main island Viti Levu. For her, to marry a business-class japanese man, was like win the lottery big time. Today is the birthday of their two sons, twins. Sato, carefully watched his language and voice, and perfectly kept his countenance like you would expect from a proud japanese San. They celebrate this event in the bar and restaurant of a new beach resort on the south part of Viti Levu, which was considered to be very new and top class. Around 10 guests are present and one or two bored tourists, and his wife repeatedly bothered all of them with loud announcements about the birthdays of her sons, mainly to justify her drinking.
Mercenary
Graham Edwards and his wife Ashley Ann Hogan live on a cattle ranch in Zimbabwe. When their parents visit them then they would take boat trips through sambesi waters. They make pictures of lions and elephants, drink beer and have a laugh together. Graham was playing cricket and rugby once. He says he is a quiet one. He never wants to hurt anybody.
When Graham is drunk, the number of repetitions for these two sentences raises exponentially with the number of beers or whiskeys he had. It becomes a one-word-phrase and he looses the ability to apply consonants correctly. And later on its mostly followed by a “but…”. Graham was in Uganda and Congo. And he was in Afghanistan and Irak. Grahams job is to look after people.
Katja
Katja aus Chemnitz sagt Sie sei ja nun schon ein älteres Semester. Sie nimmt die Baseball-Kappe auch, oder gerade, nicht zum Rotwein an der Bar ab. Als Sie nach der Wende zu einem fragwürdigen Künstler nach Westdeutschland zog war Sie zweiundzwandzig, und ohne den geringsten Zweifel bildhübsch. Die einundvierzig heute kann man eigentlich auch nur sehen wenn man Ihr direkt ins Gesicht sieht, und selbst dann blieben Restzweifel bei vielen Betrachtern. Katja macht gerade Ihr Abitur in Lörrach. Danach will Sie irgendwas studieren, Literatur oder Psychologie. Oder so. Manchmal wird es Katja zu viel Mathe oder Physik, dann macht Sie einen Ausflug nach Basel, setzt sich in irgendeine Bar und lässt sich von Männern ansprechen, nur um sich zu vergewissern. Sie erzählt den meisten dann irgendwann von “Ihrem Freund” um Sie wieder loszuwerden, kauft sich eine Bratwurst am Bahnhofskiosk und fährt zufrieden zurück nach Lörrach.
Amir
Amir fährt heute die zwölte Tour vom Flughafen Schwechat in die Stadt und ärgert sich heute schon den ganzen Tag dass er nun doch das lächerliche grüne Jacket unter dem Wintermantel trägt. Die Leute vom grünen Schalter, für die er fährt, wollten das so. Es geht dabei wohl nicht nur um unterschiedliche Auffassungen von modischer Taxifahrerbekleidung. Ein gelbe Kravatte und ein grünes Jacket. Ein vollverblödeter Marketingeinfall. Vielleicht noch blaue Socken. Amir ist jedenfalls stinksauer und erzählt, quasi als Rache am System, jedem Fahrgast seine komplette Lebensgeschichte. Ob die es wollen oder nicht.
Amir ist Perser, aus Teheran. Perser passen sich an, sagt er.
Urs Erni
An einem mässig kalten Freitag, dem 16. November 2007, hatte der Zugchef Urs Erni aus dem Kanton Uri in der Schweiz einen schlechten Tag. Seine Frau Berta hatte heute nacht auffallend laut geschnarcht. Sie hat immer weiter zugenommen in letzter Zeit. Er hatte kein Auge zu bekommen.
Das Handling des Multifunktions-Touchpads bereitete ihm unendliche Qualen, ständig stiess er damit gegen die Sitzlehnen. Der ständige Wechsel zwischen Zange und Pad, je nachdem ob diese verfluchten Trottel zu blöd waren sich vorher eine Fahrkarte zu besorgen oder nicht, zerknüllte Papierfahrkarten einscannen die sich diese verdammten Internetfreaks selber ausdrucken, mit einer Hand entknüllen und mit der anderen den Scanner draufhalten. Für Urs Erni war das die Hölle auf Erden, seine Hände zitterten.
Salima
Das junge türkische Mädchen kämpfte seit ungefähr zweieinhalb Stunden mit dem imaginären Tod. Sie hatte die Wirkung des Psylocibin heftig unterschätzt, oder vielmehr solch eine Schätzung garnicht bewusst vorgenommen. Genausowenig wie Sie mit Ihren 21 Jahren die Begriffe Set und Setting keiner tieferen Analyse unterzogen hatte, bevor sie sich von dem chronisch klammen und unangenehm dauerkoksenden Möchtegern-Zahnarzt P. zur Einnahme der psychoaktiven Trockenpilze hat animieren lassen, deren Form, Farbe und Konsistenz stark an Hasenkäkel erinnern. In einer 50-Quadratmeter-Altbauwohnung auf dem 3. Hinterhof, irgendwo im schlecht beleumundeten sechzehnten Wiener Gemeindebezirk Ottakring, an einem traurig grau verregneten Donnerstag nachmittag im Herbst. Hochparterre. Fenster geschlossen. Es wird stark geraucht.
Salima, so heisst die junge Frau, bedeutet im arabischen soviel wie “Gesund Sein”.
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